Schwarzfahren ist in Lingen gelb

Screenshot www.noz.de

Es mag sein, dass die blauen Minibusse der lokalen „LiLi-Linie“ nicht sonderlich fotogen sind, aber trotz des ernsten Hintergrundes musste ich schmunzeln, als ich in der Tageszeitung von einer Schwarzfahrerin las, die hier erwischt und verurteilt wurde – und darüber ein Foto einer schönen, gelben Berliner Straßenbahn platziert war.
In Anlehnung an ein Plakat der Berliner Verkehrsbetriebe sage ich mal: Wer über eine hiesige Schwarzfahrerin berichtet, muss auch die Eier haben, einen mickrigen Bullibus über den Artikel zu setzen…

Quelle: BVG / Berliner Zeitung

„Darum liebe ich das Emsland“

In diesen Tagen sind wir seit fünf Jahren im Emsland. Am 14. April 2012 um 12 Uhr habe ich unsere Wohnung in Reinickendorf ein letztes Mal abgeschlossen und mich in unseren pickepackevollen Hyundai Atos gesetzt, der mich in die neue Heimat bringen sollte.
Frau und Sohn waren schon vorgefahren.
Tochter ist drei Monate später nachgekommen. Also: geboren worden.
Elfeinhalb Jahre Berlin waren für mich vorbei.
Nun stehen wir vier Monate vor der Geburt unseres dritten Kindes, unseres zweiten Emslandbabies – und da ich ja tatsächlich auch hier geboren bin, wird unsere Familie im Spätsommer aus mehr gebürtigen Emsländern bestehen als aus Nicht-Emsländern.

In der Lokalzeitung gibt es zur Zeit die Reihe „Darum lieben wir das Emsland“, in der Zugezogene darüber berichten, warum sie ihre neue Heimat mögen. Ich wurde nicht gefragt, doch beim Lesen der Artikel, die sich mitunter so butterweich lesen, als hätte sie die regionale Tourismusagentur geschrieben (und das Kürzel „pm“ deutet in dieselbe Richtung…), habe ich mich gefragt, was ich geantwortet hätte.
Michael, was magst du am Emsland?
Nun, ich mag die wunderschöne Natur im Emsland. Felder, Äcker, Auen, Wälder, Heide und Seen gibt es hier, also eigentlich fast alles außer Küste und Bergen. Dann mag ich die Familienfreundlichkeit. Ich mag das starke gesellschaftliche Engagement, und dass dieses anerkannt wird. Ich finde es schön, dass ich mich als gläubiger Christ hier nicht erklären muss. Ich schätze den Wohlstand, der in den Städten und Dörfern sichtbar ist, auch wenn er durch sichtbare Industrie- und Gewerbeansiedlungen erkauft worden ist.
Ich mag die Ruhe. Hier im Emsland wird viel geschafft und viel gefeiert, aber nie so, dass Hetze aufkommt. Alles zu seiner Zeit und alles in Maßen – eine gute Einstellung, die ich in fünf Jahren noch nicht zu übernehmen geschafft habe.

Und ich mag die Gegend, weil ich hier mit meiner Familie glücklich bin.

Ja, es gibt auch Dinge, die mich nach fünf Jahren befremden.
Es gibt Dinge, die mich ärgern. Es gibt auch Dinge, die mir fehlen.
Und sicherlich könnten meine Familie und ich auch in anderen Gegenden glücklich sein.
Aber in 20 oder 30 Jahren mit meinen Kindern schöne Erinnerungen aus unserer Zeit im Emsland auszutauschen, wird mir nicht schwer fallen.
Vielleicht kommen die positiven Aspekte meines Wandels vom Haupstadtsender zum Auenländer auf diesem Blog ein wenig kurz – deshalb hier in aller Form: Danke, Emsland!