Backyard, Baby!

Gartenarbeit hat mir nie Spaß gemacht. Als Kind habe ich meinem Vater alle zwei Wochen beim Rasenmähen helfen müssen. Heißt: Der eine schiebt den Elektromäher, der andere hält das Kabel, damit der Mäher es nicht zersäbelt. Meistens ich. Langweilig. Am Samstag hab ich das zum ersten mal seit 15 Jahren wieder gemacht. Zwar nur mit einem Handmäher, aber dafür in unserem eigenen (wenn auch bedeutend kleineren) Garten. Während meine Frau mit einer einer elektrischen Rasenkantenschere die Ränder rasierte. Die Nachbarn hatten schon vorletzte Woche einen Kommentar in unsere Richtung gemacht: Falls wir mal den Rasen mähen wollten, könnten wir uns einen Rasentrimmer ausleihen. Gut, die Gärten der Doppelhäuser in unserer Straße sind jeweils von den Nachbarn einsehbar. Das bringt Licht in die Gärten, aber eben auch eine gewisse Transparenz. Nacktbaden ist da keine so gute Idee. Doch zurück zum Samstag: Die Gartenarbeit hat mir zum ersten Mal im Leben Spaß gemacht! Wirklich: Das gemütliche Flappern des Rasenmähers, das Sirren des Rasenkantenschneiders, das Lachen des zwischen Rasenhaufen herumspringenden Sohnes – das war richtig schön. Deshalb kam auch gleich das Unkraut aus den Beeten und ein paar Geranien rein.

Unsere Mähaktion ermöglichte denn auch einen unverstellten Blick auf den Zustand des Rasens. Der konnte, mussten wir feststellen, in Sachen grüner Farbe nicht mit den Nachbarsgärten mithalten. Die letzten Sommertage hatten schon deutliche Spuren hinterlassen. Also musste eben auch eine Bewässerungsmöglichkeit her. Die Anschaffung einer Gartenpumpe mitsamt aller Schläuche, Schellen, Muffen und Ventile hätte ich mir zwar gern erspart, vor allem die stundenlangen Versuche sie in Gang zu kriegen, aber dann wäre der Rasen früher oder später zur Steppe geworden, ich hätte nie wieder behaupten können im Auenland zu leben, und das Rasenmähen wäre umsonst gewesen.

Erst dank der Hilfe unseres Doppelhausnachbarn („ich habe auch vier Versuche gebraucht, bis ich Wasser hatte“) zog die Pumpe schließlich doch Wasser aus dem emsländischen Erdreich, das der Rasensprenger bestimmungsgemäß auf dem dürstendem Rasen verteilte. Und dem juchzenden Sohn. So ähnlich müssen sich Ölsucher fühlen.
Natürlich hatten wir sämtliche Gartenanschaffungen nicht in unserem Umzugsbudget berücksichtigt. Aber nach dem Mittagessen den Sonnenschirm aufspannen zu können, das Planschbecken aufzupusten und sein Kind im eigenen Garten herumplanschen zu sehen, ist etwas unbezahlbar Schönes.

Das Hackbällchen ist rund, das Mittagessen hat 30 Minuten.

In der mittaglichen Mahlgemeinschaft sitzen ziemlich kluge Leute. Studienleiter mit akademischen Abschlüssen, einige auf dem Weg zur Promotion, daneben junge Menschen, die nach dem Abi ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr einschieben und Chefs, die in ‚zig Kursen mit unterschiedlichsten Themen die unterschiedlichsten Leute kennen gelernt haben. Kurz: Am Tisch sitzen Menschen mit einem weiten Horizont.

Umso verwunderter bin ich immer wieder über die Themen, die neben Spargelcremesuppe und Hähnchenfilet inhaltlich auf den Tisch kommen: Es geht immer um a) Fußball oder b) Autos. Tatsächlich kaum um etwas anderes. Der Personalspeiseraum unserer Akademie könnte insofern auch mit der Kantine von VW verwechselt werden. Keine philosophischen Diskussionen, keine gesellschaftlichen Fragestellungen, keine theologischen und keine politischen. Na gut, wenn der Röttgen zurück getreten wird, dann machen wir mal eine Ausnahme (zumal wir nicht wissen, welchem Fußballclub er anhängt), aber ansonsten spricht die Akademie in der Mittagspause über die Champignons League. Oder die Bohndesliga. Die Erbse Fußballbohndesliga.

Ich war nie in der VW-Werkskantine. Aber ich mag, dass bei uns mittags keine Dienstgespräche stattfinden, sondern neben dem Essen auch nett geplaudert wird. Na gut, gern auch mal kontrovers (wir haben eine Bayern-, eine Schalke- und eine Kölnfraktion, da bleibt das wohl nicht aus) und man auch als Halbwissender an der täglichen Runde Tischfußball teilnehmen darf. Morgen um 12.30 wird übrigens das Urteil über die Hertha-Relegation verkündet. Mal sehen, ob die Sache dann gegessen ist.