Narrenkapp: Ab.

Mein Auto ist jetzt integriert. Kein mitleidig-skeptisches Begutachten mehr auf dem Lidl-Parkplatz, keine Ausrede mehr fürs Falschabbiegen, keine Narrenkappe mehr – ab jetzt ist unser Auto ein ganz gewöhnlicher Kleinwagen mit heimischen Nummernschild. Dieser wohl letzte Teil des Abschieds vom dicken B fiel schwer und leicht zu gleich. Schwer, weil es vier Anläufe brauchte, bis alle Unterlagen in der Zulassungstelle waren, und leich, weil mir die Berliner Kennzeichen mit dem dahintersteckenden Dreck sowas von die Finger und Hose versaut haben…!
Als seufzererhaschendes Nostalgiestück taugt unser Auto also nicht mehr. Es wird sich mit seiner Existenz als silbergraumetallischer Cityflitzer (so bezeichnet durch den Hersteller) bzw. Singleflitzer (so bezeichnet durch den ADAC) abfinden müssen.
Wird es nicht müssen.
Es mag zwar nicht mehr an Berlin erinnern, aber dafür stolz die Initialen des Bandprojekts tragen, das ich während meiner Studentenzeit mit einem Freund hatte: Die 11 vor P. 13 Alben haben wir von 1996 bis 2003 geschrieben und aufgenommen, mindestens die fünf letzte würde ich auch heute noch als hörenswert bezeichnen und lade dazu ein – auf jeden Fall hat mich die 11 vor P geprägt.

Und ich sie aufs Nummernschild geprägt.


Die alten Bleche liegen nun mit im Keller und warten auf eine Wiederauferstehung als Kennzeichen eines Kettcars. Ich hoffe, unser Sohn will bald eines.

„aspirin.complex teufelszeug“ ergibt 4.820 Google-Treffer.

„Eben noch Halsschmerzen. 10 Minuten später: So gut wie alles weg“, berichtet Videospieler Rapier. „Die Erkältung wird einem ja regelrecht wieder aus dem Körper herausgeprügelt“ twittert Bastian und Weigthwatcherin Bini26 gibt zu sich damit immer wie auf Droge zu fühlen. Und alle bezeichnen Aspirin Complex als Teufelszeug. Ich schließe mich dem an und hoffe, in einem Blog der Zukunft wird auch mein Bekenntnis zitiert.

Vorgestern Nacht zu schwach, um die Ohropax vom Nachttisch zu heben, gestern früh tierische Kopfschmerzen und einen dicken Hals, und 24 Stunden später, nach 2 Gramm Acetylsalicylsäure  und 120 mg Pseudoephedrin-Hydrochlorid: Fit. Das kann doch nicht gehen.

Bini26 hat Recht. Mit Aspirin Complex fühlt man sich nicht nur wie auf Droge, der Inhaltsstoff „Pseudoephedrin“ ist sogar der Grundstoff für eine Droge: Für Crystal Meth, unter Konsumenten auch bekannt als „C“, „Ruppe“ oder „ICE“ und wegen des enormen Abhängigkeitspotentials in den Medien als „Hitlerdroge“ oder „Zombiedroge“. Und: Vollkommen legal. Crystal Meth ist ein Aufputschmittel – und spätestens jetzt sollte es jedem Aspirin-Complex-Patienten kräftig in den Ohren läuten!

Es macht nicht nur „high“, sondern erzeugt auch schwere Halluzinationen (Spiegel-TV-Beitrag hier), und wenn sich der Konsument nicht immer wieder die Beine aufkratzt, weil er dort Insekten oder Eiterblasen sieht, und sich so schließlich ruiniert, dann rafft ihn langfristig der Schlafmangel dahin (13 Tage lang wach!).

Genug des Horros. Apotheker müssen den Behörden melden, wenn ein Kunde übermäßige Mengen von Aspirin Complex oder Wick Medinait (auch dort ist eine Ephedrin-Art enthalten) kaufen möchte. Dieser Kontrollmechanismus scheint zwar nicht sehr erfolgreich zu sein (die Zahl der Crystal-Meth-Konsumenten in Deutschland hat sich 2011 um mehr als das anderthalbfache erhöht) und natürlich können auch Medikamente direkt abhängig machen. Dennoch würde ich die Kirche gern im Dorf lassen. Ich denke, ich gehe verantwortungsvoll mit Medikamenten um. Hin und wieder eine IBU, wenn mein Rücken schmerzt, alle paar Wochen mal eine halbe Schlaftablette, wenn ich abends allzu unruhig bin (nein, nicht nach Einnahme des Aufputschmittels Aspirin Complex!!!) und besagtes Aspirin Complex, wenn ein Infekt zuschlägt. Das einzige, was mir zu denken gibt, ist, das man sich offenbar fitter fühlt als man ist.

Ich denke, heute lasse ich es nochmal richtig ruhig angehen. Erstmal frühstücken. Und ja – ich bin schön vorsichtig mit dem Koffein.

P.S.: Auf das Einbinden eines dieser im Internet beliebten Vorher-Nachher-Fotos von Crystal-Meth-Süchtigen verzichte ich gerne (zumal die meisten von der Scientology-Organisation Drugfreeworld veröffentlicht werden) und verweise stattdessen augenzwinkernd auf die Titanic. Das Grauen lauert überall.

Den Rocker raushängen lassen, bis der Arzt kommt

Mit dem Berliner Kennzeichen falle ich noch immer auf im Dorf. Ich merke sowas. Diese skeptischen Blicke, „Ey, was ist denn das für einer!“ – daran hat sich seit unserem Einzug nix geändert. Außer, dass die Frist fürs Ummelden verstrichen ist. Aber Montag kümmere ich mich drum, versprochen. Gestern war ich jedenfalls nicht sonderlich feinfühlig und stellte die Toleranz meiner Mitbürger ungewollt auf eine harte Probe. Ich wollte unseren Sohn zum Kindergarten abholen genoss die Fahrt mit offenen Fenstern, immerhin hatte es draußen 32 Grad. Ich hatte nicht bedacht, dass das T-Shirt mit dem Logo meines ehemaligen Radiosenders die Zeichenfolge „f***“ auf der Brust hatte. Was im Emsländischen natürlich mit „fusl“ übersetzt wirt, in Berlin aber… naja, etwas frivoler. Und weil die Musik im Auto wegen der herunter gelassenen Scheiben deutlich nach draußen schallte, machte ich auch noch ungewollt auf mich und mein T-Shirt aufmerksam. Vielleicht lag’s an der Musikauswahl… und -lautstärke?!

Nein, verstecken muss ich mich nicht, weder vor meiner Vergangenheit beim Radio noch vor meinem Musikgeschmack (den unser Sohn beim Einsteigen kommentierte mit: „Yeah, Rockmusik!“). Außerdem habe ich gestern Abend gezeigt, wie weit meine Integrationsbemühungen schon fortgeschritten sind! Ich habe den Rasen gesprengt, wie es an Sommerabenden üblich ist in unserem Ort. Und weil die Hitze des Tages auch um halb sieben noch in der Luft lag, haben wir beiden Rockmusikliebhaber unsere Kutten abgelegt – und sind durchgehüpft. Hin und her, her und hin – ein tierischer Spaß, der mich selbst in meine Kindheit zurückversetzt hat.

Ich möchte nicht glauben, dass das wirklich etwas mit der Sprenger-Action zu tun hat, aber am Abend wurden meine Halsschmerzen, die ich den ganzen Tag mit mir rumgeschleppt hatte, zu einem dicken Infekt. Es ist einfach so, dass ich zum Beginn meines Urlaubs häufig krank werde. Dann, wenn der Stress der Arbeit (in diesem Fall sicher eher die Anspannung der Geburt) von einem abfällt, haben Viren und Bakterien bei mir offenbar leichtes Spiel und bedenken mich gnadenlos mit allem, was den Tag unschön werden lässt.
Kopp zu, Nase zu, Hals zu. Dazu eine viel zu heiße, unruhige Nacht. Da hilft nur Rockmusik. Yeah.