Urbanolfaktorische Demenz.

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Es gibt doch etwas, dass ich vergessen hatte: Wie die Stadt riecht. Der Geruch von Getreidefeldern, von Wiese, Wald und Gülle hat in meinem Gedächtnis offenbar den süßlichen Duft von Currybuden, den würzig-vanilligen Geruch von Coffeeshops und den ölig-schweren Ubahnhofgeruch verdrängt. Kann mich nicht erinnern, dass das bei meinem Umzug nach Berlin 2000 umgekehrt auch so war.

Augen und Ohren sind also noch Berliner, meine Nase offenbar nicht. Ein Zeichen für Zerrissenheit? Nein. Aber wenns die gäbe, würde ich die doppelte Staatsbürgerschaft beantragen.

M.’s Land, M.’s Stadt

Massen von Menschen, schrille Typen, schroffe Sprache und versteckte Verbindungsgänge zwischen verschiedenen U-Bahnhöfen. Und ich mittendrin. Ich bin noch vertraut mit dieser Stadt. In Berlin zu sein fühlt sich so an, als wär ich nie weggewesen. Ich hoffe, das Gefühl bleibt.

Ach so. Ich vergaß Braunkohleofengeruch und Nachdemzurückbleibenbittenochebenreinhüpfen. Dit verleanste nich.

Wenn ick‘ dir wiederseh, Dickes B…

Vor ziemlich genau sieben Monaten habe ich unsere Wohnung in Reinickendorf endgereinigt, die letzten Sachen in unseren Kleinwagen gepackt und die Wohnung zum letzten Mal abgeschlossen. Die Schlüssel, die für mich und meine Familie seit drei Jahren Zugang zu unserem Zuhause waren, schmiss ich in den Briefkasten. Und verließ die Stadt.
Bis morgen.
Für drei Tage bin ich dienstlich auf einer Tagung, die darauf folgenden 24 Stunden widme ich der Stadt, die von Juni 2000 bis zum April diesen Jahres meine Heimat war – erst in Prenzlauer Berg, dann in Pankow, dann mit meiner Frau in Lichtenberg und Charlottenburg und schließlich zu dritt in Reinickendorf. Und ich widme die 24 Stunden meinen Freunden und ehemaligen Kollegen, die mich in diesen Jahren privat und im Radioleben begleitet haben und mit mir viele tolle Momente erlebt haben.

Ab morgen Mittag werde ich in Berlin sein. Bislang habe ich die Stadt trotz der Faszination, die von ihr ausgeht, nicht vermisst, wirklich nicht. Mal sehen, wie ich in der nächsten Woche auf die Stadt reagiere – und sie auf mich wirkt.