Ein Jahr im Land der Schützen

Das muss man erstmal schaffen. Die beiden Schützenfeste, die mich jeweils zum Einzug in unser erstes und zweites auenländisches Haus begrüßt haben, waren beides Jubelschützenfeste. Gut, wahrscheinlich wird auf jedem Schützenfest gejubelt, aber so ein Jubelschützenfest – das gibt’s nur alle paar Jahrzehnte, nämlich bei runden Geburtstagen des jeweiligen lokalen Vereins. Und zu solch einem Anlass kommen dann die Schützenvereine aus den umliegenden Stadtteilen, Dörfern und Städten, machen einen Riesenumzug durch den Jubelbezirk und jubeln sich im Verlaufe der Festwoche (!) dann so einige Biere und Klare hinter die Binde.

Foto von privat in Lingener Tagespost, Ausgabe 29.05.2013

Mein Resumée nach diesen Jubelfesten und immerhin einem anderen Schützenfest, das ich besucht habe: Um das Schützenwesen kommt man als Emsländer nicht herum.

Autor: Dick Aalders, Lizenz CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/)

Man muss hier wohl aufgewachsen sein, um Umzüge, Kaiserschießen, Kommersabende und das ganze Hofstaatsbrimborium so richtig toll zu finden – als Immigrant erscheint mir die Schützenkultur aber immerhin als eine freundliche, inkludierende… harmlose. Denn soviel ich mitbekommen habe, tun die Schützenfreunde und -freundinnen nicht viel mehr als feiern, den König hochleben lassen und trinken. Ich könnte mir Tradition ein bisschen begründeter vorstellen (die schießen heute einen König, weil sie früher das Dorf verteidigt haben), ehrenamtliches Engagement ein bisschen gemeinnütziger, aber gut, in dieser Beziehung bin ich selbst ja nun auch nicht gerade ein Vorbild.

Vielleicht revidiere ich mein Urteil nach dem 14. Juni. Dann bin ich zum „Bogen holen“ (heißt es so?) in der Nachbarschaft eingeladen. Ich kenne den Herrn König, bei dem das Spektakel steigt, nicht und habe keinen blassen Schimmer, was da so gemacht wird, aber wahrscheinlich – und ich bitte das nicht als Ignoranz zu verstehen – hat es mit Alkohol zu tun.
Ich werde mich drauf einlassen, so wie ich mich auch künftig auf einiges einlassen wird, was rund um den Holzvogelkult passiert. Bis auf eines, das immer der letzte Grund sein wird nicht selbst Schützenbruder zu werden (aber auch der Grund, warum ich als arrogant gelten werde):
Ich kann die Musik partout nicht ab.

Foto:  freizeitforum-aachen.de Lizenz CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/)Während der vergangenen Jubeltage (50 Meter Luftlinie von unserem Haus stand das Schützenzelt) habe ich von Vormittags bis Abends Musikvereine in den Ohren gehabt, die allesamt aus Amateuren bestehen und allesamt keinerlei Achtung vor den Perlen der Popularmusik hatten, die sie rücksichtslos im Trompeten-, Saxophon-, Glockenspiel- und Trommelgeschwurbel zerfetzten. Zumeinst wurden jedoch Märsche gespielt, die ich für die größte Sünde halte, die sich in Noten aufschreiben lässt. Ich wünsche mir eine Garde treffsicherer Grünjacken, die mich nächstes Jahr davor beschützt.
Ich werde ein Ersuch an den König richten.

Mein neuer Arbeitsweg

Der Umzug bringt mit sich, dass ich nun nicht mehr zur Arbeit gehen kann. Bislang waren es 300 Meter von der Haustür bis zur Akademie, nun sind es 3,7 Kilometer – allerdings sehr schöne. Heute bin ich sie erstmals geradelt – das Wetter hat  erstmals ernsthaft dazu eingeladen das Auto stehen zu lassen (ja, es war der nasseste Mai aller Zeiten!)

Ich vermute, in den Sommermonaten könnte mir der Arbeitsweg die erste Auszeit des Tages bringen. Schön hier!

Football’s coming home.

In den nächsten 90 Minuten könnte die alte Heimat ein bisschen näher an die neue Heimat heran rücken. Ich drücke dem VfL Osnabrück im Relegationsrückspiel gegen Dynamo Dresden auf jeden Fall die Daumen! Nicht, weil ich die Sachsen nicht schätze – ich habe die Partien gegen „meinen“ Verein, den 1. FC Union Berlin, immer als sehr schön und lebendig erlebt (soweit ich das als Laie beurteilen kann). Aber mit einem Aufstieg des VfL in die zweite Liga würde ich Union einmal pro Saison wieder live sehen können, wenn sie auswärts in Osnabrück spielen – und damit nur eine Stunde von meinem Heimatort entfernt. Weniger lang habe ich von unseren Wohnungen in Lichtenberg, Charlottenburg oder Reinickendorf nach Köpenick auch nicht gebraucht.

Jetzt also die eisernen Daumen drücken.

Aktualisierung 22:26 Uhr: War wohl nix. Football’s nicht coming home.