Herr Bux und die Beschneidungsdebatte

Wir haben einen Vorgarten. So ist das hier im Emsland, ich schrieb davon. Einen Vorgarten, den einst ein schöner Rhododendron  zierte; einer dieser schönen Sträucher, die in dieser Gegend weit verbreitet sind und die in dieser Jahreszeit die Gärten und Wegesränder in weiß, lila und pink erblühen lassen.

Man mag sie spießig finden, aber ich mag sie.
Richtig schwer tu ich mich hingegen mit den Gewächsen, die derzeit in unserem Vorgarten stehen. Unser Vormieter hat dort, einem Trend in dieser Gegend folgend, Buchsbaumgewächse hingesetzt. Buchsbaumgewächse, die in Form geschnitten sind – mit einer Nagelschere, wie ich  anderswo beobachtet habe.

Wir haben ein paar Würfel, drei Kugeln, eine Spirale und einen Baum mit vielen Ballons.
Besser gesagt: Wir hatten.
Denn wir haben uns entschlossen, uns der Gartenmode der domestizierten Baumbepflanzung zu entziehen. Beschnittene Buchsbäume erinnern mich an halbrasierte Pudel von Naziwitwen. Oder an Super Mario Bros.

Beim Vorbeigehen rufe ich meinen Bäumchen Freiheitslosungen zu: „Seid ihr selbst! Egal, was die Nachbarbäume sagen: Wachst, wohin ihr wollt!“
Und was soll ich sagen? Die Bäume machen mit bei meinem Aufstand, meiner Revolte gegen die uniforme Flora, die klare Kante, die geometrische Gleichmacherei! Sie sprießen ins Licht, in ihre barrierefreie Zukunft.

Bei aller gärtnerischen Inkompetenz glaube ich, die Moral auf meiner Seite zu haben. Freiheit ist ein höheres Gut als Angepasstheit. Aber ob die Moral immer noch auf meiner Seite ist, wenn ich die Buchsis irgendwann durch einen schönen, großen Rhododendron ersetze?

Germany’s next Topmonstrum

Sie könne diesen Spruch nicht mehr hören, sagt meine Frau. Ich muss sagen, dass ich sie gut verstehe . Doch letztlich ist der kabelkanalgeführte, elefantenrüsselgeleitete und stromzufuhrkappbare Netzwerkverteiler im ersten Obergeschoss genau das, als was ich ihn beschreibe: Nicht schön, aber besser geht’s nicht.