Ausgebürgert aus der Berliner Republik

Willy Brandt House, stefg / CC BY 2.0

So entspannt wie am gestrigen Abend war ich bei Bundestagswahlen schon lange nicht mehr – so unbeteiligt aber auch nicht. Denn die letzten drei Wahlabende habe ich als Reporter im Berliner Willy-Brandt-Haus verbracht: 2002 als Hospitant beim ZDF, 2005 als Volontär und 2009 als Wortchef des Radiosenders, bei dem ich bis zum vergangenen Jahr tätig war.
Und so fehlte mir gestern etwas: Nicht etwas die Spannung (daran hat es gestern nun wirklich nicht gemangelt), nicht das Interesse an meinen Analysen, sondern das „Dabeisein“. Damit meine ich das Wahrnehmen der Freude, der Verzweiflung, der Verwirrtheit der Parteimitglieder, das geschäftige Wuseln der Journalisten, das gegenseitige Schulterklopfen der Parteigranden. Kurzum: Die Emotionalität, die Politik so menschlich und so faszinierend macht. Und, die sie so unterhaltsam macht: Schröder hatte nach dem knappen Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und Union 2005 auch schon vor der Elefantenrunde ordentlich einen im Tee.

Von dieser Emotionalität bekommt man als Wähler in der westdeutschen Peripherie nichts mit. Zumindest dann nicht, wenn man kein Parteibuch hat. So fühlte ich mich gestern, nachdem ich am Nachmitag meine Stimme abgegeben hatte, nur noch als Informationsempfänger, auf Gedeih und Verderb den Medien ausgeliefert, nicht mehr als Augenzeuge der Politik. Schade!