Auf dem Radioflur: Meine Spur.

Fotos: Oliver Betke, www.betkebilder.de

Foto: Oliver Betke, www.betkebilder.de

Wir hatten am Wochenende Besuch von lieben Freunden aus Berlin. Sie haben mir Berliner Biere mitgebracht, die es hier sämtlicherweise nicht gibt. Meiner Frau haben die beiden Berliner Leitungswasser mitgebracht (bescheiden, oder? Im Ernst: Das Wasser aus Hauptstadthähnen ist klasse!), das es hier überraschenderweise auch nicht gibt. Den Kindern haben Sie etwas zum Spielen mitgebracht. Und uns allen haben Sie für einen guten Tag ihre sehr angenehme Gesellschaft geschenkt.

Ein weiteres Geschenk war in einer Anekdote verpackt: Die beiden Berliner hatten ihre Waschmaschine verkauft – mehr oder weniger zufällig an eine junge Frau, die seit kurzem als Volontärin in „meinem“ ehemaligen Sender arbeiteT. Und die hat von dem Redaktionsleben erzählt, das an einigen Stellen offenbar noch immer von meiner Zeit dort geprägt ist. Zum Beispiel erzählte sie – der ich wohlgemerkt nie persönlich begegnet bin – dass ich in der Redaktion oft lobend erwähnt würde, dass bei Brainstormings hin und wieder der Satz fiele: „Wir machen das so, wie Micha das gemacht hat“ oder die Frage gestellt würde: „Was würde Micha jetzt machen?“.
Ich hoffe, ich wirke nicht eitel (naja… würde ich sonst einen Blog über mein Leben schreiben!?), aber ich empfinde tiefe Dankbarkeit dafür, dass ich dem Sender nicht nur durch meine Person eine Note geben konnte (die von dem ein oder anderen Noch-Mitarbeiter hin und wieder vermisst wird, wie ich aus Mails, Kommentaren oder Anrufen erfahre), sondern auch nachhaltig als Verantwortlicher. Zu wissen, dass ich gute Spuren hinterlassen habe – das tut gut!

 

Rasenmähen für 10.000 Euro

Citizen 4474 / CC BY 2.0, http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Der Supermarkt im Dorf nebenan und die angeschlossene Bäckerei machen gemeinsame Sache: Eine Treuechip-Aktion. Das mag klingen wie ein alter Hut, doch auf dem Dorf ist so etwas schon eine besondere Sach. Markt und Bäckerei sind hier nämlich die einzigen im Dorf – was heißt, dass deren Kunden tatsächlich ziemlich treu sein dürften. Was dem Bäckermeister und dem Filialleiter die Treue wert ist, steht ausführlich auf einem A2-Plakat am Eingang: Für 10 Euro Einkauf bekommt man einen Chip. Für 2 Chips können Kinder im Wackelauto fahren, das am Eingang steht. Für 5 Chips gibt’s ein Bier im Café (ja, es gibt dort einen Zapfhahn im Café!). Weitere gestaffelte Preise folgen, mehr oder weniger angemessen, und mehr oder weniger gut zu behalten. Doch dann der Hauptpreis: Für 1000 Chips mäht der örtliche Supermarkt-Filialleiter den Rasen – bis 500qm, wie geschrieben steht.
Richtig, 1000 Chips erfordern einen Einkaufswert von 10.000 Euro. Weil das die Summe, die ein Durchschnittskunde pro Jahr im Laden lässt, natürlich weit übersteigt (zumindest vermuten das die Macher), rät das Plakat dazu, dass sich Nachbarn zusammen tun und gemeinsam die Chips sammeln, und dann schließlich als Zuschauer das Rasenmäh-Event bestaunen. Zuschauer werden bei dem Treuemähen ausdrücklich eingeladen.

Ich versuche nun, mir das vorzustellen. Die Nachbarn stehen um den Rasen herum und feuern ihn an, wenn der Filialleiter den Mäher durch das Grab schiebt… wirklich?! Ich meine, der gute Mann ist ein freundlicher Zeitgenosse, ich habe ihn öfters im Laden gesehen. Aber besitzt ein Marktleiter auf dem Dorf qua Amt einen solchen VIP-Rang, dass ihm bei einer wirklich banalen Tätigkeit mit treuem Blick zuzuschauen so viel wert ist? Jetzt nur mal zum Vergleich: Für 1000 Chips könnten 50 Kinder je 10x Wackelauto fahren, mehr, als ihren Mägen gut tut. Für 1000 Chips könnte eine Clique 200 Biere aus dem Zapfhahn ziehen, mehr, als ihren Lebern gut tut. Man könnte aus den roten Plastikchips auch lustige Spielketten basteln, Türmchen bauen… oder die Chips spenden. Denn die wandeln Markt und Bäcker dann in Hilfen für Kinder um, so steht es geschrieben. In der Hoffnung, dass sich jeder das Riesenplakat gut durchliest: Das ist der beste Verwendungszweck.