„Abfall“ kommt von „Fallen lassen“.

Früher, als es noch keine Müllabfuhr gab, schmissen die Menschen ihre Abfälle einfach vor die Haustür. Heute schmeißt die Müllabfuhr einfach die Mülltonnen vor die Haustür.

Mal ehrlich: Was taugen moderne Abfallwirtschaftskonzepte, für das sich der Landkreis Emsland lobt, wenn die vollautomatisierten Müllautos mit ihren Roboterarmen die Tonnen nach der Leerung einfach auf die Erde schmeißen?

Alle Bilder der Verwüstung wurden in unserer Straße gemacht. DSC_0025

Ein Volk von Non-Utilitaristen?

Markt um 12Ich habe heute tief ins Herz der hier lebenden Menschen geblickt – und das im wahrsten Sinne des Wortes beiläufig. Während einhundert Metern, die ich heute Mittag über den Marktplatz zurücklegte, hörte ich dreimal denselben Satz. Ein Satz, deren Weisheit in einfachen Worten steckt, deren Gehalt aber nicht mehr und nicht weniger zu sein scheint als der Schlüssel zur emsländischen Seele.
Er lautet: „Nützt ja nix.“

Einmal fiel der Satz, so schließe ich aus den ihn umgebenden Wortfetzen, die ich mitaufgeschnappt habe, als eine ältere Dame erklärte, wie es ihr gehe: Sie wolle ja nicht klagen. Nützt ja nix. Beim zweiten Mal ging es um die Notwendigkeit eines Marktbesuchs auch bei Regenwetter: Nützt ja nix. Beim dritten mal, aber da bin ich mir nicht sicher, wahrscheinlich um die Samstagsarbeit eines Mannes am Gemüsestand. Offenbar hatte sich sein Bekannter danach erkundigt. Vielleicht aus Mangel an anderen Themen, die der Bestellung von 2 Kilo Bio-Linda ebenfalls einen persönlichen Anstrich hätten geben können. Vielleicht, weil der Kunde überrascht war, dass man samstags am Gemüsestand tatsächlich von Menschen bedient wird, die dort nicht ihre Freizeit verbringen. Am wahrscheinlichsten ist freilich, dass der Fragende ein Zeichen der Solidarität setzen wollte. Nicht zwischen Arbeitern und Nicht-Arbeitern, nicht zwischen Kartoffelproduzenten und Kartoffelkonsumenten, sondern zwischen zwei Emsländern, die sich zu ihrer Heimat bekennen. Gemäß diesem Geheimcode antwortete der Befragte denn auch, und das ist das einzige, was ich wirklich am Kartoffelstand mitgekriegt habe: Nützt ja nix.

Nimm zwei, zahl die Hälfte

Nimm 2, zahl 50%Zunächst: Klar können wir das Geld gebrauchen. Zwei Kinder in einer Wachstumsphase – da ist der Wochenvorrat Lebensmittel auch gerne mal am Mittwoch durch. Trotzdem ist es paradox, wenn zwei Regelungen, die für sich politisch zweifellos richtig sind, zusammen kommen. So ist es bei uns ab August: Statt dem Doppelten zahlen wir, wenn unsere Kleine im Sommer die Krippe kommt, nur die Hälfte der bisherigen Kitagebühren. Denn der Große ist dann im dritten Kitajahr, das beitragsfrei ist, während unsere Kleine das zweite Kind ist, das dort betreut wird – und durch den „Geschwisterrabatt“, der in unserer Stadt gilt, halbiert sich „ihr“ Kitabetrag. Ob Landes- und Kommunalgesetzgebung da wirklich optimal aufeinander abgestimmt sind (die Frage stellt sich anderen Kommunen übrigens auch)? Beschweren werde ich mich nicht!