Freibeuter und Spielverderber.

Kindergeburtstage sind Elternpflicht, da gibt’s kein Wenn und Aber. Stattdessen gibt’s Waffeln mit viel Sahne, Kindertanz mit Bumbumbeat, Topfschlagen mit heiß und kalt – und eine Schatzsuche! Das ist gerade Trend, hat uns eine Bekannte verraten. Also: machen wir mit den Kindern eine Schatzsuche. Auf dem PC nach einer Piratenschriftart gesucht, kryptische Hinweise mit viel Har-Har auf Papier gedruckt, selbiges angeflämmt, zerknüllt und an drei Stationen in der Siedlung versteckt. Auf das die Knirpse auf dem Spielplatz die Schatztruhe mit Lollis, Smarties und Wackel-Klappergebissen finden! Har-Har!

Nix Har-Har.
Die sorgfältig an der Route angebrachten Luftballons, garniert mit Kräuselband, haben irgendwelche Spielverderber in den 60 Minuten zwischen Dekoration und Spielbeginn abgerissen, zerplatzen lassen, auf die Erde geschmissen. Waren es Kinderhasser, waren es Nachbarskinder, die unserem Großen den Geburtstag vermiesen wollen, oder haben wir gegen das emsländische Straßendekorationsgesetz verstoßen? Ich bin da echt sauer!

Boßelmenschen haben keine Kinder?!

Bildrechte: Neue Osnabrücker Zeitung

Ich hätte so gerne mitgeredet. Meinen Senf dazu gegeben, wenn meine Kollegen wieder über ihre Erlebnisse beim jährlichen Boßelausflug berichten oder wenn in einem nahe gelegenen Dorf eine Netiquette für Boßelrunden auf Hinweisschilder geschrieben und heftig diskutiert wird. Da kam die Einladung zum Nachbarschafts-Boßeln unserer Straße natürlich ganz recht – zumal wir noch nicht alle Nachbarn kennen. Der Postangestellte in der Innenstadt, der in unserer Straße wohnt, hatte mir vor einigen Wochen von den Plänen berichtet. Ich hatte zwar auch gehört, dass das Boßeln (eigentlich ein richtiger Sport!) angesichts des auf der Fußtour konsumierten Alkohols nicht selten in den Hintergrund tritt, aber ich wäre mitgegangen. Wird schon nicht so schlimm sein, hier in der Straße wohnen ja viele Kinder, hatten meine Frau und ich gedacht. Aber geboßelt wird ohne Kinder, wurden wir  schließlich aufgeklärt. Damit war die Tour für uns gestorben. Der Samstagnachmittag, einer der wenigen freien nach vielen Wochen dienstlicher Wochenendverpflichtungen, gehört der Familie. Schade, dass sich diese Tradition offenbar nicht mit Kindern verträgt!