Syrien vor meiner Tür?

Mustafa Öztürk / CC BY-NC-ND 2.0

Mustafa Öztürk / CC BY-NC-ND 2.0

Mein Ortsteil hat ein Flüchtlingsproblem.
Und zwar, bevor ein Flüchtling angekommen ist.

Was war passiert: Der Ortsrat hatte beschlossen, syrische Flüchtlinge aufzunehmen. Der Ortsbürgermeister schlug ein Grundstück vor. Der SPD-Ortschef fand das gut und vermittelte im Parteiblättchen, das kurz darauf an alle Haushalte verteilt wurde, dass der Ortsrat eine Flüchtlingsunterkunft an diesem Ort beschlossen hätte. Das nicht korrekt formuliert, und mittlerweile gilt das Grundstück auch nicht mehr als wahrscheinlicher Standort für eine Unterkunft, aber das Geschrei war erst einmal groß: Das vieler Bürger, weil sie sich vor vollendete Tatsachen gestellt fühlten, anstatt einbezogen zu werden – und das der SPD, weil die Lokalzeitung nach Bekanntwerden der Verlautbarung nur bei der CDU erkundigt hätte, was dar los war. Und auch in der Redaktion wird man gegrummelt haben: Die hatte den SPD-Chef nämlich durchaus zu erreichen versucht.

Soweit, so gut. Anders als eine Diskussion auf Facebook: Als Reaktion auf die SPD-Pressemitteilung wurde Solidarität geäußert, und zwar mit den Flüchtlingen genauso wie mit den nicht einbezogenen Anwohnern. Doch auch über die Kriminalitätsrate, die steigen wird, wurde gesprochen, über die mangelnden Deutschkenntnisse der Flüchtlinge und darüber, dass keiner weiß, wie lange sie bei uns bleiben werden. Auch Kosovaren seien noch immer in Deutschland – Zitat: „Die ursprüngliche ‚Absprache‘ mit der dt- Bevölkerung war eigentlich anders!“. Und eine Zugezogene beschwerte sich, wie schwer ihr die Integration in unserer Stadt gemacht worden sei. Sie kam aus der Nachbarstadt.
In einem Nutzerkommentar zu einem Zeitungskommentar wurde emfpohlen, die Flüchtlingscontainer in die „Wohnanlagen der Politiker“ zu stellen. Sie würden bestimmen, aber selbst keinen Beitrag leisten – was, wenn ich das recht sehe, sowohl der Ortsratbeschluss als auch die Facebookdiskussion widerlegen.

Ich kenne das Grundstück, um das es geht. Ich wohne in dem Baugebiet, an das es grenzt. Wenn die Bürger einbezogen worden wären, was ich natürlich für den richtigen Weg gehalten hätte, wäre ich für den Standort gewesen. Er ist perfekt – nah an Supermärkten und einer Bushaltestelle.
Ich hoffe, dass sich an den Flüchtlingen – wo immer sie landen werden – zeigen wird, dass meine Mitbürger es mit der Solidemo im Januar wirklich ernst meinen und sich vorbehaltlos (ohne Sprachpflicht ohne Aufenthaltsbegrenzung) für geschundende Existenzen einsetzen. Ich bin gern dabei.