Weihnachtsfreude in Zeiten des Terrors?

Juskteez Vu, unsplash.com

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In der Akademie, in der ich arbeite, stand gestern die jährliche Adventsfeier auf dem Programm – einen Tag nach dem Terroranschlag in Berlin, der mich tief erschüttert hat.
Was dort geschehen ist, ist unbegreiflich. Ein Mann steuert einen LKW absichtlich in eine Menschenmenge auf einem Weihnachtsmarkt. 12 Menschen werden überrollt oder von den Buden erschlagen. Dutzende sind verletzt.

So eine Tat macht fassungslos. Sie macht wütend und betroffen. Können wir angesichts der Geschehnisse von Berlin unbeschwert Weihnachten feiern, Adventsfeiern mit Kollegen oder im Freundeskreis abhalten, fröhlich sein?
Wir können. Vielleicht nicht so unbeschwert wie wir es vorgestern gekonnt hätten. Aber: Wir können.

Alle, die einen Bezug zum christlichen Glauben haben, dürfen sich auf die Ankunft Gottes in der Welt freuen, die wir am Wochenende feiern. Wir dürfen die Ankunft in diesem Jahr, in dem so viel Unheil geschehen ist, besonders herbei sehnen.

Ich glaube, Gott ist auch in diese Welt gekommen – in eine Welt voller Ungerechtigkeit und unverständlicher Tode. So bitter es auch scheint – Es ist auch die Welt, die sich gestern auf den Nachrichtenkanälen oder Sozialen Medien gezeigt hat.
Gott wusste, worauf er sich einließ, als er seinen Sohn zu den Menschen schickte. Und doch: tat er es.
Er wusste, dass der freie Wille, den er den Menschen geschenkt hat, auch zur Waffe werden kann – gegen die Schöpfung, gegen Mitmenschen, sogar gegen seinen eigenen Sohn. Und doch: tat er es. Er kam in diese Welt.
Sein Ja zu den Menschen, das er in Betlehem gesprochen hat, sprach er so überzeugend, dass ihn selbst der Tod Jesu Christi am Kreuz gut 30 Jahre später ihn nicht abbringen konnten von seiner Liebe zu uns Menschen.

Ich vermute, den Angehörigen der Opfer von Berlin hilft das momentan nicht. Ihr Weihnachtsfest wird traurig sein. Tränen werden fließen. Und das dürfen sie auch. Trauer braucht seine Zeit. Trauer ist wichtig. Trauer ist ein Zeichen dafür, dass auch die menschliche Liebe über den Tod hinausgeht.

Was können wir tun? Wir können für die Angehörigen beten – für alle, die angesichts von Terror und Tod in der Welt von Ohnmacht erfasst werden, für alle, die sich nun am liebsten verkriechen würden oder verzweifelt nach einem RESET-Schalter für die Welt suchen.
Wenn Gott an Weihnachten sein Ja zu den Menschen spricht, ein Ja, das stärker ist als der Tod, dann ist der Stern über seiner Krippe ein Zeichen der Hoffnung, der Vergebung, ein Hinweis auf das Unbegreifliche, was dort in der Krippe geschieht.

Das macht die unbegreiflichen Taten der Menschen nicht ungeschehen, nimmt nicht den Schmerz, die Verzweiflung, die Fassungslosigkeit und die Wut.
Aber vielleicht schenkt uns der Stern Hoffnung. Wir dürfen hoffen, dass unter dem Stern von Betlehem auch menschliche Untaten ein einem anderen Licht erscheinen. Und wir dürfen hoffen, dass dieses Licht auch die Herzen den Menschen erhellt, die gerade in finsteren Nöten sind.

Wir dürfen also feiern. Aber: Wir müssen nicht. Wenn die Stimmung auf den Adventsfeiern bei dem einen oder anderen etwas gedämpft ist, wenn das Halleluja unter dem Weihnachtsbaum etwas verhaltener ausfällt, dann sollten wir uns um Verständnis bemühen.
Betroffenheit ist kein Einknicken vor dem Terror, sondern ein Zeichen, dass jeder Mensch anders damit umgeht, was in der Welt geschieht. Betroffenheit ist Mitgefühl. Und Mitgefühl ist Menschenliebe. Und das ist Weihnachten.